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Ort: Frankfurt am Main

BENdA-Fachtagung: Gemeinsam Zukunft gestalten

Am 6. November 2025 fand im Ökohaus in Frankfurt am Main unsere bundesweite hybride BENdA-Fachtagung in Kooperation mit der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main statt. Unter dem Titel „Gemeinsam Zukunft gestalten: Eltern mit Migrationsgeschichte als geschulte Ratgeber*innen junger Menschen im Übergang Schule – Berufsausbildung“ kamen Vertreter*innen aus Wirtschaft, Wissenschaft, und Politik sowie aus Migrat*innenorganisationen und die Rat geben-Projekte zusammen, um aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze im Übergang Schule – Berufsausbildung zu diskutieren.

Neben inspirierenden Impulsen, wertvollem Austausch und spannenden Diskussionsrunden gab es jede Menge Einblicke in ausgewählte Good-Practice-Beispiele aus dem ESF Plus-Modellprogramm “Rat geben – Ja zur Ausbildung!”.

Die Veranstaltung begann mit eindrucksvollen Videobeiträgen sowie Grußworten von:

Sie betonten die Bedeutung diskriminierungskritischer Ansätze und die zentrale Rolle von Eltern und Bezugspersonen bei der Berufsorientierung insbesondere bei jungen Menschen mit Migrationsgeschichte.

Zwei Keynotes skizzierten die fachlichen Rahmenbedingungen im Übergang Schule-Berufsausbildung, vertieften die Bedeutung elterlicher Unterstützung und wie diese für ihre Rolle als wichtige Ratgebende gestärkt werden können:

  • Dieter Dohmen, Gründer und Direktor des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS), hob hervor, wie wichtig es sei, Eltern zunächst einen verständlichen Zugang zum komplexen deutschen (Aus-)Bildungssystem zu ermöglichen. Nur so könnten sie ihre Kinder wirksam unterstützen und ihnen Orientierung in einer sich schnell verändernden Ausbildungs- und Arbeitswelt bieten.
  • Dr. Mehmet Alpbek, Sprecher des Vorstands des Bundeselternnetzwerks der Migrantenorganisationen für Bildung und Teilhabe (bbt), ergänzte diese Perspektive um die spezifischen Erfahrungen von Eltern mit Migrationsgeschichte. Er wies darauf hin , wie wichtig es sei, diese Eltern über ihre Rechte zu informieren, ihnen Beteiligungsmöglichkeiten aufzuzeigen und sie als aktive Partner im Bildungs- und Übergangsprozess ihrer Kinder zu stärken.

Im weiteren Verlauf stellten Projektträgerinnen des BENdA-Netzwerks konkrete Good-Practice-Beispiele vor. Dazu zählen unter anderem:

  • Austauschzirkel für Eltern, Angehörige und Freund*innen junger Menschen mit Migrationsgeschichte, die bereits in mehreren Regionen erfolgreich umgesetzt werden
  • Digitale Fortbildungen zu Themen wie Ausbildungswege, Diversität, Interkulturalität und aktuellen Entwicklungen in der Berufsbildung
  • Der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) in der Elternberatung, der aufzeigt, wie innovative Technologien Beratungsprozesse erleichtern können
  • Ein Projekt zu kultursensiblen Informationen über Pflegeberufe, das Eltern gezielt unterstützt und Zugänge zu diesem Arbeitsfeld eröffnet

Das BENdA-Team präsentierte erste Zwischenergebnisse der bundesweiten Vernetzungsarbeit und wie es die 16 Rat geben-Projekte strukturell stärkt, fachlich unterstützt und langfristig miteinander verbindet.

Abschließend wurden zentrale Erkenntnisse aus der externen Evaluation des Modellprogramms „Rat geben – Ja zur Ausbildung!“ vorgestellt. Die Ergebnisse lieferten wertvolle Einblicke in bisherigen Fortschritte, Wirkungen und weitere Entwicklungsbedarfe des Programms

Die Fachtagung machte deutlich, wie viel Potenzial in der gezielten Stärkung von Eltern mit Migrationsgeschichte als wichtige Bezugspersonen für junge Menschen liegt. Sie zeigte zugleich wie auf so vielfältige Weise Eltern begleitet und unterstützt werden können, um jungen Menschen mit Migrationsgeschichte den Zugang zur Ausbildung diskriminierungskritischer und chancengerechter zu gestalten.

Unser neues Rat geben-Projekt in Frankfurt am Main stellt sich vor!

Simone Emmenlauer von der Fachkräftsicherung der Handwerkskammer Frankfurt am Main ist unsere Ansprechpartnerin für das Rat geben-Projekt “Karrierechance Handwerk – einfach machen.” Sie beantwortete diese Woche die Fragen unserer BENdA-ÖA-Kollegin Seongmoon Shim.

Könnt Ihr kurz Euer Projekt vorstellen? Wofür steht Ihr? Wer sind Eure Zielgruppen? Was bietet Ihr?

Als Handwerkskammer ist es unser Ziel, die Duale Ausbildung als wertvolle berufliche Perspektive zu präsentieren. Dabei sind wir nicht nur in Schulen unterwegs, um das Handwerk praktisch erlebbar zu machen, sondern mit dem neuen Projekt können wir nun auch verstärkt auf die Bezugspersonen zugehen und uns hier vor allem auf diejenigen konzentrieren, die duale Ausbildung nicht kennen, weil es dieses System im Herkunftsland nicht gegeben hat. Wir bieten verschiedene Formate, angefangen bei niedrigschwelligen Sprechstunden, wo der Ratsuchende selbst Fragen stellen kann und individuell informiert wird. Daneben führen wir Informationsveranstaltungen durch und gehen dann als „letzte Stufe“ stärker in die Tiefe mit Schulungen als Ratgeber für Ausbildung. Einen besonderen Einblick erhalten Interessierte in ausgewählte Berufe im Rahmen unserer Info-Camps: Hier haben sie die Gelegenheit, das Handwerk selbst zu erleben: Innerhalb eines Tages lernen die Teilnehmenden ein bis zwei Berufe in der Praxis in unseren Ausbildungswerkstätten kennen und können unter Anleitung ein kleines Werkstück produzieren.
Wir arbeiten mit Bildungsträgern zusammen, die ihr Angebot vor allem auf Menschen mit Migrationsgeschichte ausgerichtet haben, bspw. mit Sprachkursanbietern, Weiterbildungsträgern u.ä., aber natürlich auch mit den zuständigen Agenturen für Arbeit und den Jobcentern. Über diese Stellen wollen wir die Zielgruppe erreichen.

Was ist das Besondere an Eurer Projektarbeit? Worin liegt Eure Motivation?

Die Ausbildung insbesondere das Handwerk wird nicht mehr ausreichend wertgeschätzt. Jeder strebt höhere Abschlüsse an, jedoch ist nicht für jeden Menschen ein höherer Abschluss machbar. Wir wollen erklären, dass Ausbildung eine dem Studium gleichwertige Perspektive bietet, um in Deutschland ein selbstbestimmtes Leben zu führen, das nicht abhängig von Sozialleistungen/Institutionen macht. Zudem brauchen wir Fachkräfte, die das Land am Laufen halten. Und diese Fachkräfte werden über die Ausbildung aufgebaut.

    Welche Veranstaltungsformate bietet Ihr Bezugspersonen in Eurer Region?

    Wir sind derzeit noch in der Terminplanung und der Identifizierung der Örtlichkeiten, da wir die Sprechstunden in leicht zugänglichen Räumlichkeiten durchführen möchten. Wir planen hier wöchentliche Sprechstunden, die regional rotieren: bspw. Angebote an jedem 1. Mittwoch in Rüsselsheim, 2. Mittwoch in Frankfurt, 3. Mittwoch in Offenbach und 4. Mittwoch digital. Aber das ist noch nicht spruchreif. Zudem werden wir bei den verschiedenen Bildungsträgern und Institutionen Veranstaltungen durchführen.

      Vielen Dank!

      Mehr Informationen zum Projekt “Karrierechance Handwerk – einfach machen.” gibt es hier.