Die Berufsmesse am Gymnasium in Herne-Wanne am 17.04.2026 erwies sich für unsere Berufsorientierungslotsen (BOLs) als sehr erfolgreiche und vielversprechende Gelegenheit, um mit Lehrern, StuBos und Eltern in Kontakt zu kommen.
Viele jungen Schüler*innen mit Migrationsgeschichte haben sich überaus interessiert gezeigt und nahmen zudem Projektflyer für ihre Eltern mit, um sie zu einem Beratungstermin zu bewegen. Aufgrund der teilweise geringen Deutschkenntnisse bei einigen Eltern wollten die Schüler*innen nicht nur aus eigenem Interesse, sondern auch in Dolmetscherfunktion für ihre Eltern bei der Beratung dabei sein.
Die Veranstaltung hat deutlich gemacht, wie groß der Bedarf an niedrigschwelligen Beratungsangeboten zum Thema “Übergang Schule-Berufsausbildung” ist und welches Potenzial in einer engen Kooperation zwischen Schulen und externen Bildungspartnern wie z.B. den “Berufsorientierungslotsen” liegt.
„Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA) ist das Landesprogramm Nordrhein-Westfalens zur Berufsorientierung an Schulen. Die Teilnahme ist für alle Schüler*innen der Klassen 8 bis 10 verpflichtend. Ziel des Programms ist es, frühzeitig Stärken und Interessen zu erkennen, um darauf aufbauend eine passende berufliche Orientierung zu ermöglichen.
Informationsabende als zentraler Einstieg
Ein wichtiger Bestandteil von KAoA sind die Informationsabende an Schulen. Hier erhalten Schüler*innen und ihre Familien einen Überblick über den Ablauf der Berufsorientierung sowie über konkrete Unterstützungsangebote.
Die Informationsabende dienen als Einstieg in weiterführende Angebote. Im Idealfall entstehen daraus individuelle Beratungsgespräche und/oder Workshops & Schulungen für Bezugspersonen. So wird eine nachhaltige Unterstützung im Berufsorientierungsprozess ermöglicht.
Perspektive: Übertragbarkeit auf andere Bundesländer
Der Ansatz der Berufsorientierungslotsen, Rat geben und die eigenen Schulungs- und Beratungsangebote im Rahmen von KAoA vorzustellen, bietet großes Potenzial als Vorbild für die Rat geben- und ähnliche Bildungsprojekte in anderen Bundesländern. Eine bundesweite Verzahnung könnte dazu beitragen, noch mehr Jugendliche mit Migrationsgeschichte über die Stärkung ihrer Bezugspersonen erfolgreich beim Übergang von der Schule in den Beruf zu begleiten.
Unter dem Titel „Sicherung eines erfolgreichen Übergangs für junge Menschen mit internationaler Familiengeschichte von der Schule in den Beruf“ sowie der „Kompetenzorientierung und Beratung unter Berücksichtigung migrationspädagogischer Implikationen“ fand am 15. – 16. September 2025 in Herne das Netzwerktreffen „Übergang Schule-Beruf“ in Herne statt. Die zweitägige Veranstaltung bot Fachkräften aus Bildung, Beratung und Jugendhilfe eine wichtige Plattform für Austausch, Diskussion und Vernetzung.
Tag 1: Kompetenzen stärken – Perspektiven eröffnen
Der erste Veranstaltungstag widmete sich vor allem der Frage, welche Kompetenzen junge Menschen für einen erfolgreichen Übergang ins Berufsleben benötigen. Zentrale Impulse lieferte hierbei das SWK-Gutachten „Kompetenzen für den erfolgreichen Übergang sichern“, das aktuelle Forschungsergebnisse und praxisorientierte Empfehlungen präsentierte.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Vorstellung eines Weiterbildungskollegs als neue Perspektive für neu zugewanderte Jugendliche. Dieses Modell bietet jungen Menschen, die erst kürzlich nach Deutschland gekommen sind, eine strukturierte und begleitete Möglichkeit, Bildungsabschlüsse nachzuholen und sich auf den Einstieg ins Berufsleben vorzubereiten.
Tag 2: Elternarbeit und lokale Praxisprojekte im Fokus
Am zweiten Tag lag der Fokus auf der Zusammenarbeit mit Eltern mit internationaler Familiengeschichte. Verschiedene Fachvorträge und Praxisberichte zeigten auf, wie durch gezielte Elternarbeit Brücken gebaut und Übergangsprozesse gestärkt werden können.
Im Rahmen dessen stellten sich auch die beiden Rat geben-Projekte „Ratort Ruhr” und „Berufsorientierungslotsen Bochum-Herne-Duisburg“ vor. Sie informierten über ihre Angebote und Aktivitäten zur Stärkung von Bezugspersonen wie Eltern von jungen Menschen mit Migrationsgeschichte für ihre Rolle als wichtige Ratgebende im Übergang Schule-Berufsausbildung.
In der anschließenden Fragerunde wurden Herausforderungen und Gelingensbedingungen diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht.
Die Auswirkungen von Armut auf junge Menschen können vielfältig sein. In Bezug auf Bildung und berufliche Orientierung wird immer wieder deutlich: Wachsen Kinder und Jugendliche in Armut auf, haben sie zunehmend geringere Chancen auf eine gute Bildung und berufliche Zukunft.
” Bildungschancen verbessern?! Armutssensiblen Denken und Handeln im pädagogischen Alltag.“ lautete der Titel der 3. Herner Bildungs- und Integrationskonferenz 2024, die am 30. Oktober 2024 statt fand.
Neben einem beeindruckenden Ausmaß an Fachkompetenz ist deutlich geworden, dass in Herne ein vielschichtiges Beratungs- und Unterstützungsnetzwerk aktiv an Bildungseinrichtungen, aber auch im Alltag der Menschen unterwegs ist, um benötigte Hilfen zu leisten.
Das Rat geben-Projekt “Die Berufsorientierungslotsen”, sind ein kleiner, aber vielleicht nicht ganz unwichtiger Teil davon. Das Teammitglied, Dr. Milan Mihajlovic, kennt einige der auf der Pinnwand dargestellten Herausforderungen ( siehe Titelbild) nur zu gut – und ist überzeugt davon, dass mit der richtigen Einstellung und einer passenden, individuellen Hilfestellung und Begleitung zumindest die wichtigsten Herausforderungen auf dem Weg ins Berufsleben erfolgreich gemeistert werden können.
Schaut auf der Website des Rat geben-Projekts vorbei, um mehr zu erfahren – vielleicht könnt Ihr alsbald zusammen aktiv werden: www.ratgeben-nrw.de
Wir, das sind das Bildungsinstitut Vogel (Herne), der IFAK e.V. (Bochum) und integralis e.V. (Duisburg). Wir sind die „Berufsorientierungslotsen Bochum – Herne – Duisburg“. In diesen drei Städten setzen wir mit unserem Projekt das Programm „Rat geben – Ja zur Ausbildung!“ um. Dieses Programm ist mit Unterstützung des Bundes und finanziellen Mitteln des Europäischen Sozialfonds gestartet worden, um die hier beschriebenen Ziele zu erreichen: wir wollen es mit Ihrer Unterstützung schaffen, dass wesentlich mehr junge Nachkommen Zugewanderter ihren Weg in eine passende Ausbildung finden!