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Ort: Reutlingen

Gesichter von Rat geben: Interview mit dem Mentor Daniel Heinze

Daniel Heinze ist Mentor und teilnehmende Bezugsperson beim Modellprogramm „Rat geben – Ja zur Ausbildung!“. Durch das JOBLINGE-Mentoring-Programm wurde er auf das Rat geben-Projekt „PLAN A +“ aufmerksam. Er begleitet ehrenamtlich junge Menschen mit Migrationsbiografie und Zuwanderungsgeschichte bei der Ausbildungsfindung. Durch Rat geben erhielt er neben allgemeinen Informationen zum Thema Ausbildung auch vertiefte Informationen zu familiären Hintergründen und Sozialisation von Jugendlichen mit Migrationsgeschichte und wurde für seine Rolle als wichtiger Ratgeber junger Menschen mit Migrationsgeschichte im Übergang Schule-Berufsausbildung geschult und sensibilisiert. 

Wie haben Sie von dem Rat geben erfahren und was interessiert Sie daran, als Bezugsperson mitzumachen?

Ich bin Mentor bei JOBLINGE in Reutlingen und arbeite in diesem Kontext mit vielen jungen Menschen zusammen. Durch Mitarbeiter*innen des Rat geben-Projekts „PLAN A +“ habe ich umfassende Informationen zum Thema Ausbildung und den heutigen Herausforderungen von jungen Menschen mit Migrationsgeschichte im Übergang Schule-Berufsausbildung erhalten. Es ist mir sehr wichtig dieses Wissen zu vermitteln und junge Menschen dadurch zu unterstützen.

Wo sind Sie als Bezugsperson von jungen Menschen mit Migrationsgeschichte aktiv?

Ich bin als Mentor ehrenamtlich tätig. Zudem habe ich durch meine Selbständigkeit als Coach, Berater, Mediator und Jobcoach täglich mit Jugendlichen zu tun.

Wie kommen Sie mit den Jugendlichen ins Gespräch?

Ich kommen über viele verschiedene Wege mit Jugendlichen ins Gespräch: vor allem durch meine Arbeit, Hobbys, zufällige Bekanntschaften, Freundes- und Familienkreis und meine ehrenamtlichen Tätigkeiten.

Können Sie beschreiben, was Sie bisher als Bezugsperson gemacht haben?

Ich gebe Schulungen zu verschiedenen Themen der Kommunikation und arbeite bei verschiedenen Bildungseinrichtungen als JobCoach und Dozent. Außerdem versuche ich mit dem Konzept “IKIGAI” Menschen zu helfen ihre Lebensaufgabe zu finden, was heutzutage – wenn man sich die Bertelsmann Studie “Nachschulische Bildung in Deutschland” und ihre Ergebnisse in Bezug auf den Abschluss einer Ausbildung und eines Studiums anschaut – richtig und wichtig, aber vor allem erfolgreich ist.

Was ist in der Zusammenarbeit mit jungen Menschen besonders gut gelaufen?

Die Wertschätzung mir gegenüber, wenn ich den Jugendlichen Akzeptanz, Anerkennung, Empathie und Transparenz entgegenbringe. Es ist unheimlich wichtig aus Betroffenen Beteiligte zu machen. Eine offene und gleichgestellte Kommunikation ist ebenfalls sehr wichtig.

Gab es Hindernisse, denen Sie bei der Unterstützung von jungen Menschen begegnet sind?

Das größte Hindernis ist die Erwartungshaltung seitens der Jugendlichen und ihr Selbstbild. Durch Geduld, Empathie und Perspektivwechsel lässt sich diese Herausforderung in den meisten Fällen aber erfolgreich bewältigen.

Welche Rückmeldungen haben Sie von den Jugendlichen auf Ihre Ansprache erhalten? Wurden weitere Unterstützungsbitten an Sie gerichtet?

Das ist sehr unterschiedlich, jedoch in den meisten Fällen ist der Kontakt noch über das terminierte Zeitfenster hinausgegangen. Natürlich gibt es hierzu auch Ausnahmen.

Wie hat „PLAN A +“ Sie in Ihrer Arbeit als Bezugsperson unterstützt?

Durch eine schnelle und transparente Kommunikation, es gab eine direkte Ansprechperson, die mir zur Seite stand und mich beraten hat. Zudem nahm ich an verschiedenen Schulungen und Workshops teil, welche mir viel Hintergrundwissen und Methodenkenntnisse vermittelten und mich in meiner Rolle als Ratgeber gestärkt haben.

Was hat das Projekt Ihnen persönlich gebracht?

Ich konnte viel über mich lernen, neue Techniken ausprobieren und mich auch beruflich weiterentwickeln. Zudem habe ich mein Netzwerk vergrößern können und neue Kontakte, Freunde und Expert*innen kennengelernt

Mehr Informationen zum Modellprogramm „Rat geben – Ja zur Ausbildung!“ und zum Rat geben-Projekt PLAN A + von JOBLINGE in Reutlingen

Mehr Informationen zu Daniel Heinze auf LinkeIn.

Diversity fördern – Antidiskriminierung im Umgang mit Menschen mit Migrationsgeschichte

Im Rahmen der interkulturellen Wochen in Reutlingen informierte und sensibilisierte Plan A+ am 23. September 2025 mit einem Workshop für interessierte Eltern, Ehrenamtler*innen und weitere Bezugspersonen zu Vielfalt, Chancengerechtigkeit und Umgang mit Diskriminierung am Übergang Schule-Berufsausbildung.

Dabei setzten sich die Teilnehmenden intensiv mit den Themen Privilegien und Lebensstandards auseinander. In der Gruppe, die überwiegend aus Menschen mit Migrationsgeschichte bestand, wurde deutlich, wie unterschiedlich persönliche Ausgangsbedingungen sein können und welche Hürden Jugendliche und Erwachsene mit Migrationsgeschichte bereits überwinden mussten, um in Deutschland anzukommen.

Besonders für die anwesenden Bezugspersonen war der Workshop ein Anlass, die eigene Rolle in der Beratung zu reflektieren. Viele nahmen mit, dass im Alltag noch mehr Aufmerksamkeit und Sensibilität erforderlich sind, um die individuellen Erfahrungen und Herausforderungen von Jugendlichen mit Migrationsgeschichte wirklich zu berücksichtigen. Ein zentraler Gedanke war dabei, dass Privilegien, die im Herkunftsland selbstverständlich waren, durch fehlende Sprachkenntnisse oder nicht anerkannte Abschlüsse in Deutschland schnell verloren gehen können.

So wurde der Workshop zu einem wertvollen Impuls, die eigene Beratungspraxis am Übergang Schule-Berufsausbildung diversitätssensibler zu gestalten und die Perspektiven von Jugendlichen mit Migrationsgeschichte noch konsequenter einzubeziehen.

Sensibel unterstützen: Interkulturalität in der Berufswahl

Im Rahmen der Interkulturellen Wochen fand am 24. September 2024 der kostenfreie Workshop “Interkulturalität in der Berufswahl” in Reutlingen statt. Eingeladen hatte das Joblinge Projekt “PLAN A +”, welches sich an Bezugspersonen von ausbildungssuchenden Jugendlichen mit Flucht- oder Zuwanderungsgeschichte, wie z.B. Familienangehörige, Eltern, Ehrenamtliche oder Sozialarbeiter*innen, richtet und diese in ihrer Rolle als wichtige Ratgeber*innen stärken möchte.

In einem lebhaften Austausch setzten sich die Teilnehmenden mit wichtigen Themen wie “Stereotypen bei der Berufswahl”, eigene Denkschemata und den damit verbundenen Herausforderungen vertieft auseinander. Zudem wurden diverse Facetten in der Beratung von Jugendlichen mit Migrationsgeschichte beleuchtet. Die Diskussion war offen und bereichernd, wodurch Coaches, Beraterinnen und ehrenamtliche Mentorinnen gezielt für diese Aspekte sensibilisiert wurden.

“Der Workshop hat die Bedeutung unserer Arbeit erneut hervorgehoben und den Dialog zwischen den Teilnehmenden intensiviert.” sagte Damla Türkel, Projektleitung von Plan+. ” Die Teilnehmden konnten viele neue Erkenntnisse und praxisorientiertes Anwendungswissen mitnehmen. Ein Teilnehmer erklärte: “Warum gibt es nicht mehr Menschen, die sich beruflich oder privat mit dieser so wichtigen Thematik befassen.”

Weitere Informationen unter: www.joblinge.de/plan-a-plus/

Das Projekt „Plan+“ wird im Rahmen des Programms „Rat geben – Ja zur Ausbildung!“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und durch die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert.